Nicht jedes Pflanzenprotein ist gleich
Der Markt für pflanzliche Proteinpulver ist in den vergangenen Jahren stark gewachsen. Gleichzeitig ist die Vielfalt der verwendeten Rohstoffe größer geworden. Erbse, Reis, Hanf, Soja, Sonnenblume, Kürbiskern, Lupine und viele weitere Pflanzen dienen als Basis. Die Unterschiede zwischen diesen Quellen sind erheblich und betreffen nicht nur den Geschmack, sondern vor allem die biologische Wertigkeit und das Aminosäureprofil.
Was ist biologische Wertigkeit?
Die biologische Wertigkeit beschreibt, wie effizient der menschliche Körper ein aufgenommenes Protein in körpereigenes Protein umwandeln kann. Sie hängt direkt vom Aminosäureprofil ab, also davon, welche und wie viele der neun essentiellen Aminosäuren ein Protein enthält. Der Körper kann essentielle Aminosäuren nicht selbst herstellen und ist deshalb auf die Zufuhr über die Nahrung angewiesen.
Tierische Proteine haben in der Regel eine hohe biologische Wertigkeit, weil ihr Aminosäureprofil dem menschlichen Bedarf sehr nahekommt. Bei pflanzlichen Proteinen zeigen sich deutliche Unterschiede:
- Sojaprotein gilt unter pflanzlichen Quellen als vollständig und weist ein vergleichsweise ausgeglichenes Aminosäureprofil auf
- Erbsenprotein ist reich an verzweigtkettigen Aminosäuren, aber relativ arm an Methionin
- Reisprotein enthält wenig Lysin, dafür aber reichlich Methionin
- Hanfprotein bietet ein breites Profil, aber einen niedrigeren Gesamtproteingehalt im Vergleich zu isolierten Proteinen
Kombination als Strategie
Weil keine einzelne pflanzliche Quelle das ideale Aminosäureprofil abdeckt, setzen viele Hersteller auf Mischungen. Die Kombination aus Erbsen- und Reisprotein ist dabei besonders verbreitet, weil sich die Schwachstellen beider Quellen gegenseitig ausgleichen. Methioninmangel bei Erbse wird durch Reis kompensiert, Lysinmangel bei Reis durch Erbse.
Aus ernährungsphysiologischer Sicht ist ein Proteinmix aus komplementären Quellen oft einer einzelnen pflanzlichen Quelle überlegen, sofern die Gesamtqualität der Rohstoffe stimmt.
Verdaulichkeit und Verträglichkeit
Neben dem Aminosäureprofil spielt die Verdaulichkeit eine wichtige Rolle. Pflanzliche Proteine enthalten oft sogenannte antinutritive Faktoren, darunter Phytinsäure oder Lektine, die die Proteinaufnahme hemmen können. Durch Verarbeitungsschritte wie Fermentation, Keimung oder Isolierung lassen sich diese Faktoren reduzieren. Verbraucher mit empfindlichem Magen reagieren auf unterschiedliche Proteinquellen sehr verschieden, weshalb persönliche Verträglichkeit ein nicht zu unterschätzendes Kriterium bei der Produktauswahl ist.
Wer pflanzliche Proteinquellen informiert auswählen möchte, tut gut daran, nicht nur auf den Gesamtproteingehalt zu schauen, sondern auch das Aminosäureprofil und die verwendeten Rohstoffe in die Bewertung einzubeziehen.
