Der erste Blick auf das Etikett
Beim Vergleich von Proteinpulvern oder anderen proteinreichen Nahrungsergänzungen fällt der Blick meist zuerst auf eine Zahl: den Proteingehalt pro 100 Gramm. Je höher, desto besser, scheint die Logik. Doch diese Vereinfachung führt regelmäßig dazu, dass Verbraucher Produkte miteinander vergleichen, die gar nicht auf der gleichen Basis stehen.
Das Problem mit der Portionsgröße
Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, Nährwerte pro 100 Gramm anzugeben. Zusätzlich dürfen sie eine Angabe pro Portion machen. Genau hier beginnt die Intransparenz. Die empfohlene Portionsgröße variiert zwischen Produkten erheblich:
- Ein Produkt mit 25 Gramm empfohlener Portionsgröße liefert bei 70 Prozent Proteingehalt etwa 17,5 Gramm Protein je Portion
- Ein anderes Produkt mit 60 Prozent Proteingehalt, aber 35 Gramm Portionsgröße, liefert 21 Gramm Protein je Portion
Das zweite Produkt hat auf den ersten Blick weniger Protein pro 100 Gramm, liefert aber pro Verwendungseinheit tatsächlich mehr. Und weil Pulver nach Portion konsumiert wird und nicht nach 100-Gramm-Einheiten, ist die Portionsbetrachtung oft aussagekräftiger.
Was der Preis pro Portion wirklich zeigt
Ein weiterer blinder Fleck beim Produktvergleich ist der Preis. Ein großes Gebinde wirkt auf den ersten Blick günstig, muss aber im Verhältnis zur enthaltenen Protein- oder Wirkstoffmenge betrachtet werden. Der relevante Vergleichsmaßstab ist deshalb nicht der Kilopreis, sondern der Preis pro tatsächlicher Portion, also pro definierter Verzehrmenge mit einem definierten Nährstoffertrag.
Ein günstigerer Kilopreis kann sich schnell relativieren, wenn die Portionsgröße deutlich größer ausfällt als beim teureren Konkurrenzprodukt.
Für einen fairen Vergleich empfiehlt sich daher folgende Rechnung: Gesamtpreis geteilt durch die Anzahl der enthaltenen Portionen ergibt den Preis pro Portion. Wer dann noch den Proteinertrag pro Portion mit einbezieht, erhält den Preis pro Gramm Protein, den aussagekräftigsten Vergleichswert überhaupt.
Weitere Faktoren jenseits der Zahl
Neben dem reinen Proteingehalt spielen die Qualität der Proteinquelle und das Aminosäureprofil eine Rolle, die sich in keiner einzigen Prozentzahl abbilden lassen. Pflanzliche Proteine unterscheiden sich in ihrer biologischen Wertigkeit erheblich voneinander, was bedeutet, dass 20 Gramm Protein aus einer Quelle nicht automatisch gleichwertig zu 20 Gramm aus einer anderen sind.
Informierte Kaufentscheidungen erfordern also mehr als einen Blick auf die große Zahl vorne auf der Verpackung. Wer die Mühe des tieferen Vergleiches scheut, akzeptiert, dass ihm wichtige Informationen entgehen.
