Der erste Blick auf das Etikett

Beim Vergleich von Proteinpulvern oder anderen proteinreichen Nahrungsergänzungen fällt der Blick meist zuerst auf eine Zahl: den Proteingehalt pro 100 Gramm. Je höher, desto besser, scheint die Logik. Doch diese Vereinfachung führt regelmäßig dazu, dass Verbraucher Produkte miteinander vergleichen, die gar nicht auf der gleichen Basis stehen.

Das Problem mit der Portionsgröße

Hersteller sind gesetzlich verpflichtet, Nährwerte pro 100 Gramm anzugeben. Zusätzlich dürfen sie eine Angabe pro Portion machen. Genau hier beginnt die Intransparenz. Die empfohlene Portionsgröße variiert zwischen Produkten erheblich:

Das zweite Produkt hat auf den ersten Blick weniger Protein pro 100 Gramm, liefert aber pro Verwendungseinheit tatsächlich mehr. Und weil Pulver nach Portion konsumiert wird und nicht nach 100-Gramm-Einheiten, ist die Portionsbetrachtung oft aussagekräftiger.

Was der Preis pro Portion wirklich zeigt

Ein weiterer blinder Fleck beim Produktvergleich ist der Preis. Ein großes Gebinde wirkt auf den ersten Blick günstig, muss aber im Verhältnis zur enthaltenen Protein- oder Wirkstoffmenge betrachtet werden. Der relevante Vergleichsmaßstab ist deshalb nicht der Kilopreis, sondern der Preis pro tatsächlicher Portion, also pro definierter Verzehrmenge mit einem definierten Nährstoffertrag.

Ein günstigerer Kilopreis kann sich schnell relativieren, wenn die Portionsgröße deutlich größer ausfällt als beim teureren Konkurrenzprodukt.

Für einen fairen Vergleich empfiehlt sich daher folgende Rechnung: Gesamtpreis geteilt durch die Anzahl der enthaltenen Portionen ergibt den Preis pro Portion. Wer dann noch den Proteinertrag pro Portion mit einbezieht, erhält den Preis pro Gramm Protein, den aussagekräftigsten Vergleichswert überhaupt.

Weitere Faktoren jenseits der Zahl

Neben dem reinen Proteingehalt spielen die Qualität der Proteinquelle und das Aminosäureprofil eine Rolle, die sich in keiner einzigen Prozentzahl abbilden lassen. Pflanzliche Proteine unterscheiden sich in ihrer biologischen Wertigkeit erheblich voneinander, was bedeutet, dass 20 Gramm Protein aus einer Quelle nicht automatisch gleichwertig zu 20 Gramm aus einer anderen sind.

Informierte Kaufentscheidungen erfordern also mehr als einen Blick auf die große Zahl vorne auf der Verpackung. Wer die Mühe des tieferen Vergleiches scheut, akzeptiert, dass ihm wichtige Informationen entgehen.